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„Die Summe aller Differenzen bildet wohl den Unterschied"

Sophie fällt nicht nur wegen ihrer Hautfarbe auf: Sie ist dort eine Riesin, was sie oft an Türen und ihrem Bett spürt.

Sophie Fahney (Abi 2014) arbeitet seit vier Monaten als „Maz’lerin“ in Welezo/Sansibar im Altenheim

Den Respekt ihrer Freunde hat sich Sophie Fahney redlich verdient. Die 19-Jährige Warsteinerin hat sich für ihre Zeit nach dem Abi etwas ganz besonderes Einfallen lassen: Sophie hat es in das ferne Sansibar verschlagen, wo sie als Entsandte der Organisation „Missionar auf Zeit“, also als „Maz’lerin“, ein Jahr lang ihren Missionarsdienst absolviert.

Sansibar ist Vielen ein bekannter Name, aber wo genau liegt Sansibar überhaupt? Das wissen die meisten überhaupt nicht: Sansibar ist ein halbautonomer Inselstaat an der Küste Ostafrikas, der zur Republik Tansania gehört.

Seit Ende August, lebt und arbeitet Sophie Fahney in Welezo, einer kleinen Vorstadt von Zanzibar City. Dort wohnt sie in einem Convent zusammen mit Ordensschwestern, die ein Altenheim leiten, in dem Sophie auch arbeite.
Ihre Erwartungen für ihren Auslandsaufenthalt erfüllen sich bereits, denn: Sophie hat neben ihren persönlichen Motiven, wie eine neue Kultur und auch sich selbst kennenzulernen, ebenso wie neue Erfahrungen zu sammeln auch den Wunsch durch ihre Arbeit und ihre Anwesenheit den Menschen vor Ort zu helfen und für die alten Menschen eine Stütze zu sein.

In ihren ersten zwei Monaten arbeitete sie größtenteils in der Küche, um sich zunächst an die Sprache und die alten Menschen zu gewöhnen. Denn, auch wenn in Sansibar Englisch die Amtssprache ist, sprechen die meisten kein Englisch. Es wird hauptsächlich Kiswahili gesprochen, eine Bantu-Sprache die in vielen Ländern Ostafrikas gesprochen wird. Am Anfang entpuppte sich die Verständigung als größtes Problem: Wirklich unterhalten konnte sie sich mit den meisten nicht, aber mit der Zeit lernte sie immer mehr, und nun, nach vier Monaten, kann sie schon ganze Sätze auf Kiswahili bilden. „In Kombination mit Zeichensprache funktioniert die Verständigung schon recht gut“, freut sich Sophie über ihre neuen Sprachkenntnisse.

Seit sie sich weitestgehend verständigen kann, arbeitet Sophie in der Pflege. Dort gibt sie Medizin aus, verteilt Essen, reinigt die Wäsche per Hand, und putzt die Zimmer. Sie schneidet den Frauen und Männern ebenfalls die Haare. Des Weiteren gibt sie den Bewohnern Massagen und unterhält sich mit ihnen, was den Effekt hat, dass sich ihr Kiswahili immer weiter verbessert. Denn, besonders die älteren Menschen helfen ihr gerne dabei, ihre Kiswahili- Kenntnisse zu verbessern. Sie zeigen ihr Familienfotos, erzählen aus ihrem Leben, und teilen ihr ihre Sorgen mit. Ebenso hilft die Warsteinerin den Schwestern bei technischen Dingen. Außerdem hat die sportliche Warsteinerin sich die körperliche Fitness der alten Menschen zu Herzen genommen und eine Gruppe im Altenheim gegründet mit der sie Krankengymnastik macht.

Einen konkreten Unterschied zu Deutschland kann Sophie überhaupt nicht nennen: „Ich glaube, die Summe aller Differenzen bildet wirklich einen großen Unterschied zwischen Sansibar und Deutschland.“, erklärt Sophie und zählt die zahlreichen Unterschiede auf: Natürlich die Sprache und das Klima, da zur Zeit Sommer ist, und im Zusammenspiel damit auch die Tier und Pflanzenwelt, welche nicht mit der europäischen zu vergleichen ist. Das wiederum, wirkt sich auf das Essen aus: Meistens werden Bananen, Ugali (ein Maisbrei), Bohnen und Fisch serviert. Sogar die Uhren ticken auf der Insel anders! Die Stundenzählung beginnt mit Sonnenaufgang um sechs Uhr. Das heißt, um sieben Uhr, sagen die Sansibaris „Es ist ein Uhr.“ , weil eine Stunde seit Sonnenaufgang vergangen ist. Nach einiger Zeit konnte sich Sophie aber an die Unterschiede gewöhnen und lebt nun einen normalen afrikanischen Alltag, der meistens um vier oder fünf Uhr morgens mit einem lauten „Allaaahhh“ beginnt, das in der ganzen Stadt aus Lautsprechern ertönt und die Muslime zum Gebet ruft.

Die Missionarin hat allerdings auch einige schockierende Erfahrungen machen müssen: In den ersten fünf Wochen sind gleich fünf Bewohner verstorben. „Das hat mich sehr überrumpelt“, erzählt Sophie betroffen. Ebenso hat sie beschäftigt, dass neue Bewohner im Altenheim oft nichts außer der Kleidung haben, die sie am Körper tragen. „Ich konnte mir bis dahin nicht wirklich vorstellen, dass ein Mensch wirklich keinerlei Besitztum haben kann.“ Neben den Beerdigungen, die sie sehr getroffen haben, konnte sie aber auch sehr schöne Erfahrungen machen: Sie wurde zur traditionellen Hochzeit einer Mitarbeiterin eingeladen, auf der viel gesungen und getanzt wurde. Außerdem war im Oktober viel los, ein Volksfeiertag folgte dem anderen.

Ein ganz besonderes Highlight war der erste Besuch aus der Heimat Anfang Oktober: Hans-Werner Zuleger, ein Lehrer aus Warstein, hat von Sophies Aufenthalt in Sansibar aus der Zeitung erfahren, sie besucht und ihr ein kleines Päckchen mitgebracht, das ihre Familie ihr geschickt hat.

Neben den vielen Erfahrungen hat Sophie auch neue Freunde gefunden: „Die jüngste Schwester des Ordens – Sr. Francisca – ist mir richtig ans Herz gewachsen“, berichtet Sophie. Mit Jasmin - einer anderen „Maz’lerin“ aus Deutschland, die in „Machui“ wohnt, verbringt die Warsteinerin gerne ihre Freizeit. Sie sind schon zweimal mit einem sogenannten „Dala Dala“, dem einzigen öffentlichen Verkehrsmittel auf Sansibar, nach „Stone Town“ gefahren, wo sie die Stadt besichtigten und einige Besorgungen gemacht haben. Aber auch das Dala Dala- Fahren war am Anfang nicht so einfach: „Ich wusste nicht einmal, wo ich aufsteigen muss“, schildert sie ihre anfängliche Hilfslosigkeit. „Eines Tages hab ich dann einfach gesagt: ,Heute machst du es einfach mal’“ – und die erste Fahrt im Dala Dala war ein Erfolg. Mittlerweile ist Dala Dala- Fahren Routine geworden.

Ansonsten genießt sie ihre weitere Zeit in Sansibar, bis sie im nächsten August zu ihrer Familie und ihren Freunden nach Warstein zurückkehrt. Mit „Ni mimi akukumbukaye“ (Kiswahili= „Ich, die an dich denkt“) verabschiedet sie sich in ihrem Rundbrief den sie alle paar Monate an alle Interessierte schickt. Sophie fällt nicht nur wegen ihrer Hautfarbe auf: Sie ist dort eine Riesin, was sie oft an Türen und ihrem Bett spürt. ?


Mittwoch, 24. Dezember 2014
Von: Dana Cramer, Abi 2014, WA, 24.12.2014



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